Welchen Einfluss wird der Rückruf auf die Zukunft des
Lithiumion-Akkus haben?
von
Isidor Buchmann
Cadex Electronics Inc.
isidor.buchmann@cadex.com
www.buchmann.ca - www.BatteryUniversity.com
Novbember 2006
Viele Kunden verlangten
längere Akku-Laufzeiten. Die Akku-Hersteller haben daraufhin
die Menge aktiven Materials pro Zelle erhöht und die
Elektroden und Separatoren dünner ausgeführt. Seit
der Einführung von Lithiumion im Jahre 1991 konnte so
die Energiedichte verdoppelt werden.
Doch die hohe Energiedichte hat ihren Preis. Je dichter die
Zelle, desto schwieriger die Herstellung. Bei einer Separatordicke
von nur 20-25 µm kann ein winziges eingedrungenes Metallteilchen
schwerwiegende Folgen haben. Laut Sony, dem Hersteller der
zurückgerufenen Lithiumion-Zellen, besteht die äußerst
geringe Möglichkeit, dass Metallteilchen in Kontakt mit
anderen Teilen der Akkuzelle kommen und einen Kurzschluss
innerhalb der Zelle verursachen.
Die Lithiumion-Akkus nähern sich inzwischen der theoretischen
Grenze ihrer Dichte, sodass die Akku-Hersteller sich jetzt
auf die Verbesserung der Produktionsmethoden und der Sicherheit
konzentrieren. David Perlmutter, Senior VP und General Manager
der Mobility Group von Intel meint hierzu: "Momentan
arbeitet die Branche hauptsächlich an der Verbesserung
der Fertigungsmethoden und der Zuverlässigkeit herkömmlicher
Lithiumion-Akkus."
Der Rückruf ist eine riesige Aufgabe, die noch lange
Wellen schlagen wird. Wirtschaftsexperten rechnen mit Lieferverzögerungen
und höheren Akkupreisen. Das Recycling von 10 Millionen
Lithiumion-Packs ist keine leichte Aufgabe. Die 70 Millionen
Zellen dieser fehlerhaften Packs müssen ersetzt werden.
Der größte Hersteller von Lithiumion ist Sanyo
mit monatlich 42 Millionen Zellen, gefolgt von Sony mit 27
Millionen und Samsung mit 26 Millionen.
Die Akkunutzer werden sich fragen: "Gibt es eine sicherere
Alternative zu Lithiumion?" Ja, es gibt neue Entwicklungen.
Experten und Branchenanalysten weisen die Verbraucher jedoch
darauf hin, dass die heute in den Laptops und Handys verwendeten
Kobalt-Lithiumion-Akkus nicht so schnell verschwinden werden.
Die Neuentwicklungen sind Mangan- und Phosphat-Lithiumion.
In Bezug auf thermische Stabilität sind diese beiden
Kandidaten dem Kobalt überlegen. Die Kobaltzellen werden
bei 150 °C (302 °F) instabil, ein Zustand, der zu
einem thermischen Durchgehen führen kann, bei dem flammende
Gase austreten. Im Gegensatz dazu können Mangan und Phosphat
Temperaturen bis zu 250 °C (482 °F) vertragen, bevor
Instabilität eintritt.
Das Mangan-System, auch unter dem Namen Spinell bekannt, gibt
es schon seit 1996. Wegen des geringen Innenwiderstands und
der Fähigkeit zu hohen Lastströmen sind diese Akkus
für Elektrowerkzeuge ideal geeignet. Das Phosphat-System
wird bei Valence Technologies und A123Systems hergestellet.
Der Unterschied zu Lithiumion ist die Nennspannung von 3,3
V gegenüber den herkömmlichen 3,6 V.
Obwohl das Mangan- und das Phosphat-System dem Kobalt in Bezug
auf Sicherheit und Laststrom überlegen sind, haben sie
doch einen großen Nachteil: eine geringere Energiedichte.
Abbildung 1 zeigt die Wh/kg von Bleisäure, Nickel-Kadmium
und Nickelmetallhydrid gegenüber den drei Lithiumion-Systemen.
Die größere Energiedichte von Kobalt gegenüber
den anderen ist deutlich zu sehen.
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Abbildung 1: Energiedichte der herkömmlichen
Akkusysteme. Kobalt-Lithium bietet die höchste Energiedichte.
Mangan und Phosphat sind stabiler und liefern höhere
Lastströme. |
Wird die Brennstoffzelle
ein Ersatz sein?
Die Brennstoffzelle hat in den vergangenen Jahren viel Aufsehen
erregt. Für viele ist sie die Energiequelle der Zukunft.
Dabei ist die Brennstoffzelle nichts Neues; Sir William Grove
entwickelte bereits 1839 das erste Modell. Obwohl sie dem
Verbrennungsmotor voraus war, blieb die Brennstoffzelle ein
Unikum bis 1950, als sie in Raumfahrt- und Militäranwendungen
der USA zum ersten Mal zum Einsatz kam. In den 80er Jahren
wurde die Brennstoffzelle noch einmal wiedergeboren, als Wissenschaftler
und Aktienhändler sie als saubere Energiequelle, gespeist
vom unerschöpflichen Wasserstoff, anpriesen. Die Autos
würden von Brennstoffzellen getrieben und Haushalte mit
Elektrizität versorgt werden, von Brennstoffzellen hinter
dem Haus erzeugt. Hohe Herstellungskosten und eine kurze Lebensdauer
standen der Realität jedoch im Weg.
Kraftstoff der Brennstoffzelle sind Wasserstoff und Sauerstoff.
Die Verbindung dieser beiden Gase erzeugt Elektrizität
und Wasser. Es gibt keine Verbrennung, keine Umweltverschmutzung.
Das Nebenprodukt ist reines Wasser. Eine solche Anlage ist
so sauber, dass Geoffey Ballard, der Entwickler der Ballard-Brennstoffzelle,
seinen Gästen mit diesem Wasser angesetzten Tee zum Trinken
anbot. Die theoretische Energieabgabe einer Brennstoffzelle
ist hoch, die Hälfte geht jedoch als Wärme verloren.
In den vergangenen Jahren kamen tragbare Versionen der Brennstoffzelle
auf den Markt. Die vielversprechendste Mini-Brennstoffzelle
ist die Direktmethanol-Brennstoffzelle (DMBZ). DMBZ ist billig,
einfach, benötigt kein druckbeaufschlagtes Wasserstoffgas
und bietet eine einigermaßen gute elektrochemische Leistung.
Die gegenwärtigen Systeme liefern 900 Wh und eine Energiedichte
von 102 Wh/l, sind jedoch gegenüber einem elektrochemischen
Akku ziemlich groß. Als Ausgleich für die großen
Abmessungen, hat man das Aufladen durch die Möglichkeit
des Austauschs der Brennstoffpatrone vereinfacht. So steht
eine ständige Energiequelle, wie beim Auftanken des Autos,
zur Verfügung.
Toshiba hat den Prototyp einer Brennstoffzelle für Laptops
vorgestellt, die nach eigenen Angaben jedoch noch in den Kinderschuhen
steckt. Es gibt noch keine Hinweise darauf, wann das Produkt
kommerziell erhältlich sein wird. Ein Ersatz mit hoher
Leistung, kleinen Abmessungen und zu einem wettbewerbsfähigen
Preis wird noch Jahre auf sich warten lassen. In Abbildung
2 ist die DMBZ von Toshiba zu sehen. Die Mikro-Brennstoffzelle
auf der linken Seite bietet eine Dauerleistung von 300 mW.
Der Brennstoff besteht zu 99,5% aus Methanol und ist in einem
10 ml großen Behälter untergebracht. Links ist
das Nachfüllen abgebildet.
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Abbildung 2: Die Toshiba-Brennstoffzelle mit Nachfüllpatrone.
Es wird gegenwärtig nur eine begrenzte Anzahl dieser Geräte
hergestellt. Abbildung mit der freundlichen Erlaubnis
von Toshiba.
Angstrom Power entwickelt eine tragbare Brennstoffzelle,
die den Wasserstoff einem Behälter, den Sauerstoff jedoch
der Luft entnimmt. Das System, das weder eine Pumpe noch einen
Lüfter benötigt, kann bei normalen Umgebungsbedingungen
betrieben werden. Die Vorteile reinen Wasserstoffs gegenüber
Methanol sind ein höherer Wirkungsgrad und kleinere Abmessungen.
Das Ziel ist eine saubere, leise Stromquelle, die einfach und
schnell wieder nachgefüllt werden kann. Abbildung 3 zeigt
eine Fahrradlampe als Anwendungsbeispiel.
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Abbildung 3: Von einer Brennstoffzelle versorgter
Fahrradlampe. Die 21 Kubikzentimeter große Patrone
liefert eine Energie, die in etwa der von 10 alkalischen
AA-Akkus entspricht. Das einzige Nebenprodukt ist Wasserdampf.
Voll aufgefüllt beträgt die Laufzeit 20 Stunden. |
Laut Angstrom Power hat
die Fahrradlampe des Typs micro hydrogen in Winter-
und Frühlingsbedingungen eine gute Leistung erbracht.
Die Benutzer äußerten sich positiv. Der Wasserstoff
ist in einer 21 Kubikzentimeter großen Patrone untergebracht
und liefert eine Energie, die in etwa der von 10 alkalischen
AA-Akkus entspricht. Das einzige Nebenprodukt ist Wasserdampf.
Das Nachfüllen nimmt nur wenige Minuten in Anspruch und
liefert eine Laufzeit von 20 Stunden.
So gut die Brennstoffzelle auch von außen aussehen mag,
haben 15 Jahre Versuche eine ganze Anzahl von Problemen noch
nicht lösen können. Dazu gehören das langsame
Anlaufen und die niedrige elektrochemische Reaktion an der
Anode. Das macht sich insbesondere bei der DMBZ bemerkbar.
Eine Zelle liefert etwa 1 Volt; wird sie jedoch belastet,
so sinkt die Spannung wegen des relativ hohen Innenwiderstands
schnell ab. Abbildung 4 zeigt den Spannungsabfall in Abhängigkeit
vom Laststrom. Es ist deutlich zu sehen, dass der Leistungsbereich
recht schmal ist.
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Abbildung 4: Leistungsbereich einer tragbaren
Brennstoffzelle. Mit steigendem Laststrom sinkt die Zellenspannung
wegen des hohen Innenwiderstands schnell ab. Der Leistungsbereich
ist auf 300-800 mA beschränkt. |
Die Belastung ist bei
einer kleinen Fahrradlampe kein Problem, insbesondere, wenn
es sich um ein LED handelt. Ein Laptop benötigt jedoch
40 Watt Leistung, was eine kleine Brennstoffzelle nicht mehr
schaffen kann. Hier ist zur Unterstützung ein Akku notwendig.
Die Brennstoffzelle dient dem Akku dann eher als Ladeelement.
Das gleiche gilt für brennstoffzellengespeiste Handys
und Kameras.
Noch hat die Brennstoffzelle nicht den umwerfenden Durchbruch
geschafft, auf den die Mikroelektronik zurückblicken
kann. Moores Gesetz gilt in diesem Fall wohl nicht. Die Probleme
sind weiterhin niedrige Leistung, große Abmessungen,
niedrige Lebensdauer und hohe Kosten. Auch verbieten die Sicherheitsvorschriften,
dass Fluggäste den Brennstoff mit an Bord nehmen dürfen.
Diese Vorschriften werden sich in den kommenden zwei Jahren
voraussichtlich ändern. Die ICAO hat bereits eine Ausnahme
beschlossen, gemäß der Methanol-Brennstoffzellen
mit an Bord von kommerziellen Flügen genommen werden
dürfen. Das gilt jedoch noch nicht für Wasserstoffgas.
Fazit
Nach Prüfung alternativer Energiequellen steht der herkömmliche
Akku plötzlich sehr gut da. Er ist klein, sauber, leise
und liefert sofort die benötigte Leistung. Ähnlich
dem Verbrennungsmotor wird der Akku nicht leicht mit etwas
zu ersetzen sein, das die gleiche Energiedichte bietet und
genauso erschwinglich ist. Eine unerschöpfliche Brennstoffzelle
wäre toll; noch jedoch sind wir auf die altmodische Elektrochemie,
den Akku, angewiesen. Revolutionäre Neuentwicklungen
für unsere mobilen Geräte sind nicht in Sicht. Auch
die Atomfusion als potentielle Energiequelle ist noch nicht
im Rennen.
Über den Autor
Isidor Buchmann ist Gründer und Geschäftsführer
der in Vancouver / BC ansässigen Cadex Electronics Inc.
Herr Buchmann ist in der Radiokommunikation zu Hause und hat
das Verhalten von wieder aufladbaren Akkus über zwei
Jahrzehnte hinweg anhand praktischer Anwendungen studiert.
Als preisgekrönter Autor vieler Bücher und Artikel
über Akkus hat Herr Buchmann auf Seminaren und Konferenzen
auf der ganzen Welt technische Vorträge gehalten.
Cadex Electronics ist Hersteller von modernen Akku-Lade- und
Akku-Analysegeräten sowie von PC-Software. Produktinformationen
finden Sie im Internet unter www.cadex.com
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