Wie die Laufzeit Ihres Handys verbessert werden kann
von
Isidor Buchmann
Cadex Electronics Inc.
isidor.buchmann@cadex.com
www.buchmann.ca - www.BatteryUniversity.com
March 2007
Als Sponsor von www.BatteryUniversity.com
erhält Cadex Electronics viele interessante Fragen von
Akkubenutzern. So schreibt einer: "Hallo! Ich suche den
Grund für ein seltsames Phänomen. Meine Kollegin
und ich haben identische Handys vom gleichen Anbieter. Nachdem
sie in eine neue Wohnung umgezogen war, war die Laufzeit ihres
Akkus plötzlich wesentlich kürzer. Ich konnte es
nicht glauben; aber dann bemerkte ich, dass auch mein Akku
sich anders verhält, wenn ich unterwegs bin. Gibt es
da eine rätselhafte Kraft, die den Akku anzapft?
Tatsächlich gibt es diese rätselhafte Kraft, die
den Akku anzapft. Ein aktiviertes Handy steht in ständiger
Kommunikation mit dem nächsten Funkmast, prüft rund
jede Sekunde, ob ein Anruf hereinkommt und benötigt dafür
Energie. Die Sendeleistung wird an die Signalstärke angepasst.
Je näher sich das Handy am Funkmast befindet, desto weniger
Energie wird für die Kommunikation benötigt. Wenn
man sich weiter weg oder in einem Umfeld mit elektrischen
Störwellen wie einem Einkaufszentrum, einem Krankenhaus
oder einer Fabrik befindet, wird mehr Energie benötigt.
Dies ist mit einem Restaurantbesuch vergleichbar. Ist dort
nicht viel los, kann man sich leise unterhalten; ist es jedoch
voll, reden alle laut, um sich verständlich zu machen.
Es hat seine Vorteile, in der Nähe eines Funkmastes zu
wohnen, denn der Akku muss weniger oft geladen werden. Kurz
gesagt sind Funkmasten des Akkus beste Freunde. Es macht aber
auch einen Unterschied, wo im Haus das Handy sich befindet.
Bei einem Treffen mit einem großen englischen Handyanbieter
wies ein Manager darauf hin, dass sein Sohn wesentlich kürzere
Standby-Zeiten hat, seit er sein Zimmer im Keller bezogen
hat. Darum sollte man sein Handy möglichst in einem oberen
Stockwerk in einem Zimmer liegen haben, das Richtung Funkmast
gelegen ist. Und wenn man mit dem Auto unterwegs ist, sollte
das Handy nicht auf dem Boden liegen, sondern auf Fensterhöhe,
aber nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt, da Hitze den
Akku beschädigen kann.
Das gleiche Prinzip der Energieeinsparung gilt für die
TETRA- und P25-Funk, drahtlose Telefone, Wi-Fi und Bluetooth.
Ein am Gürtel sitzendes Handy, das in Verbindung mit
einem drahtlosen Headset benutzt wird, hat eine längere
Laufzeit, als wenn das Handy beim Kochen auf dem Esstisch
liegt. Ein Bluetooth-Headset benötigt mehr Energie,
wenn es weiter vom Benutzer entfernt ist, obwohl die Qualität
der Kommunikation die gleiche sein mag.
Dazu muss gesagt werden, dass durch das richtige Positionieren
eines Drahtlosgeräts nur dann Energie gespart wird, wenn
das Gerät eingeschaltet ist. Der Ruhestrom ist sehr gering,
wenn solch ein Gerät ausgeschaltet ist und der Akku nur
Haushaltfunktionen wie die Versorgung der Uhr erfüllen
muss. Haushalten und Selbstentladung kommen im Monat zusammen
auf nur 5-10% der zur Verfügung stehenden Akkuenergie.
In den vergangenen Jahren sind bei den Standby- und Sprechzeiten
große Fortschritte gemacht worden. Die Energiedichte
des Lithiumion-Akkus konnte seit seiner Einführung Anfang
der 90er Jahre verdoppelt werden. Außerdem verbrauchen
die heutigen Empfänger- und Demodulatorkreise wesentlich
weniger Energie. Abbildung 1 zeigt, wie der Leistungsbedarf
dieser Kreise seit 2002 abgefallen ist. Es sei nochmals darauf
hingewiesen, dass diese Minderung nur für Standby und
Empfang gilt. Senden benötigt gegenüber Empfang
und Demodulation eine rund fünf Mal so große Leistung.
Doch haben auch die Sendekreise der modernen Handysets heute
einen besseren Wirkungsgrad.
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Abbildung 1: Abfall des Leistungsbedarfs.
Zusätzlich zu Akkus mit höherer Kapazität
haben die Handyhersteller den Leistungsbedarf der Empfänger-
und Demodulatorkreise erheblich gesenkt. (Sieber et al.,
2004). |
Es liegt nicht immer
am Akku
Wenn das Handy tot ist, wird oft dem Akku die Schuld gegeben,
denn der Akku ist das einzige Teil eines Handys, das der Nutzer
selbst austauschen kann. Die Werkstatt tauscht das Pack oft
aus, ohne es zu testen, sodass der gleiche Fehler wieder auftritt.
Mit dem Umsteigen von Nickel- zu Lithiumionen-Akkus sind viele
Probleme ausgeschaltet worden. Lithiumion-Packs sind wartungsfrei
und müssen nicht regelmäßig entladen werden,
damit die Kapazität erhalten bleibt, denn es gibt hier
keinen Memory-Effekt. Und doch verdächtigt der Nutzer
bei vielen Problemen oft den Akku. Die Folge ist, dass viele
gute Packs ausgewechselt und weggeworfen werden. Dies kostet
der Handybranche jährlich zehn Millionen Dollar. Handyanbieter
geben an, dass 90% der zurückgegebenen Akkus problemlos
gewartet werden können.
Heute stehen Geräte zur Verfügung, die einen Akku
schnelltesten können, während der Kunde im Laden
wartet. Muss der Akku gewartet werden, erhält der Kunde
einen Austauschakku, der bereits gewartet worden ist. So werden
Versandkosten eingespart und der Akkuhersteller wird nicht
mit Tonnen zurückgegebener Akkus überschüttet.
In Abbildung 2 ist der Serviceablauf dargestellt: Der Kunde
bringt sein Handy zum Einzelhändler, der Akku wird getestet,
und der Kunde erhält ein Austauschpack. Das Austauschpack
wird von einem Vorrat von Packs genommen, die in der Werkstatt
des Ladens mit einem Akkuanalysegerät gewartet worden
sind. Dieses Austauschprogramm wurde vor kurzem von einem
großen Serviceanbieter mit Erfolg ausprobiert: Kein
Akku wurde wegen eines Defekts zurückgegeben.
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Abbildung 2: Ein Handy mit Verdacht auf
Akkuausfall wird in den Laden gebracht. Der Akku wird
getestet, während der Kunde wartet. Muss der Akku
gewartet werden, erhält der Kunde einen Austauschakku.
Durch das Warten der Akkus beim Einzelhändler spart
die Branche Millionen Dollar und die Kunden sind zufriedener |
Pro Tag und Laden werden
im Durchschnitt zehn Akkus zurückgegeben, schätzt
ein amerikanischer Handyanbieter. Für die Bearbeitungskosten
können 15 US$ pro Pack angenommen werden. Für einen
Laden summiert sich das auf 150 Dollar pro Tag. Um etwas gegen
diese hohen Kosten zu unter-nehmen, nahmen zehn Läden
an einem einmonatigen Pilotprojekt teil, bei dem die Akkus
der Kunden direkt im Laden mit einem Akkuanalysegerät
von Cadex getestet und gewartet wurden. In diesem kurzen Zeitraum
wurden 1981 Akkus gerettet und damit rund 30.000 Dollar eingespart.
Akku-Schnelltest
Eines der wichtigsten Merkmale eines modernen Akkuanalysers
sind präzise Testresultate durch Schnelltests. In der
Vergangenheit wurde der Gesundheitszustand eines Akkus durch
Messen des Innenwiderstands geschätzt. Abbildung 3 zeigt
jedoch, dass die Fähigkeit eines Akkus, Energie zu lagern,
nicht unbedingt vom Innenwiderstand abhängt ist. Bei
bestimmten Lithiumion-Akkus kann die Kapazität über
die Lebenszeit des Akkus auf die Hälfte des Neuwerts
absinken, ohne dass der Innenwiderstand merklich ansteigt.
| Abbildung 3: Verhältnis Kapazität
zu Innenwiderstand über die Lebenszeit eines Akkus
in Zyklen. Der Gesundheitszustand eines Lithiumion-Akkus
kann nicht allein durch Messen des Widerstands festgestellt
werden. |
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Die besten Ergebnisse werden
erzielt, wenn ein Akku unter normalen Betriebsbedingungen
getestet wird. QuickSort ist eine solche von Cadex
entwickelte Methode, die auf dem elektrochemisch dynamischen
Verhalten eines Akkus basiert ist. Sie ist mit einem Hebelarm
unter Last vergleichbar. Ein starker Arm bleibt starr,
während sich ein schwacher Arm unter Last biegt und
träge wird. Dieses Verhalten kann bei der Beurteilung
des Gesundheitszustandes eines Akkus genutzt werden. QuickSort
erzielt eine richtige Beurteilung von 90% über eine
große Anzahl verschiedener Lithiumion-Akkus verschiedener
Ladezustände.. |
Eine relativ große Anzahl von Akkus
fällt wegen Tief-entladung aus. Dies hat das Cadex-Labor
festgestellt, als es 1000 zurückgegebene Packs überprüfen
sollte. Von diesen Packs hatten 30% keine Spannungsanzeige
und schienen tot zu sein. Der Grund war ein zu tiefes
Entladen. Bei einer Spannung zwischen 2,5 und 2,8 V schaltet
ein interner Sicherheitskreis den Lithiumion-Akku ab,
der daraufhin in einen Schlafmodus übergeht, in dem
ein Wiederaufladen nicht möglich ist. Das Boost-Programm
des Akkuanalysers C7000 von Cadex aktiviert den Sicherheitskreis
wieder und bringt den Akku damit zurück ins Leben.
Diese Wieder-herstellung ist permanent, und das Pack kann
dem Kunden zurückgegeben werden. Abbildung 4 stellt
diesen Prozess dar. |
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Abbildung 4: Der zu tief entladene Akku erhält
einen "Boost"-Strom, der die Zellenspannung
wieder in den Betriebsbereich anhebt, wodurch der
Sicherheitskreis wieder aktiviert und eine Ladung
möglich wird. |
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Damit ein Handyakku nicht
in den Schlafmodus fällt, ist es empfohlen bei einer
"Low Bat"-Anzeige den Akky mindestens 30 Minuten
zu laden. Ohne diese Speisung kann durch Selbstentladung und
periphere Lasten der Akku zu tief entladen werden. Dies kann
zu der oben beschrieben Deaktivierung führen.
Neben den Funktionen Schnelltest und Boost bieten die meisten
Akkuanalyser auch ein komplettes Wartungsprogramm, das aus
Lade- und Entladezyklen besteht. Diese Programme können
die Akkus am besten beurteilen und sind für die Wartung
von Austauschakkus empfohlen. Abbildung 5 illustriert den
Cadex C7400 Analyser.
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Abbildung 5: Der Akkuanalyser Cadex C7400
bietet QuickSort, Boost und komplette Wartungsprogramme.
Die vier Ladeschächte nehmen praktisch jeden Kleinakku
auf. |
Fazit
Ein brauchbares Schnelltesten von Akkus beim Einzelhändler
wurde erst durch moderne Akkuanalyser möglich. Das Testen
im Laden verbessert den Kundendienst und die Kunden erfreuen
sich daran. Durch den Einsatz solcher Analyseger konnten Unternehmen
ihre akkubezogenen Reklamationskosten erheblich senken. Auch
die Akkuhersteller stehen dem Im-Laden-Testen positiv gegenüber,
da sie nicht mehr mit Garantieansprüchen überhäuft
werden und Geld sparen.
Über den Autor
Isidor Buchmann ist Gründer und Geschäftsführer
der in Vancouver / BC ansässigen Cadex Electronics Inc.
Herr Buchmann ist in der Radiokommunikation zu Hause und hat
das Verhalten von wiederaufladbaren Akkus über zwei Jahrzehnte
hinweg anhand praktischer Anwendungen studiert. Als preisgekrönter
Autor vieler Bücher und Artikel über die Wartung
von Akkus hat Herr Buchmann auf Seminaren und Konferenzen
auf der ganzen Welt technische Vorträge gehalten.
Cadex Electronics ist Hersteller von modernen Akkuladern und
Akku-Analysegeräten sowie von PC-Software. Produktinformationen
finden Sie im Internet unter www.cadex.com
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