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Das Laden von Nickel-Cadmium-Akkus

Akkuhersteller empfehlen, neue NiCd-Akkus über 24 Stunden langsam zu laden, weil jede Zelle eine andere Selbstentladungsstromstärke aufweist. Beim langsamen Laden werden alle Zellen eines Akkupacks auf den gleichen Ladezustand gebracht. Außerdem werden mit der zögernden Ladung die möglichen Trockenstellen an den Separatoren, welche als Folge der Schwerkraft bei langen Lagerungen entstehen können, wieder bedeckt.

Einige Hersteller bringen ihre Akkus vor dem Versand nicht auf volle Leistungsfähigkeit. Diese wird erst nach mehreren Lade/Entlade-Intervallen mit einem Akku-Analyser oder im normalen Gebrauch erreicht. Bei Nickel-Akkus können sogar 50 bis 100 Lade/Entlade-Intervalle notwendig sein, bis die volle Leistungsfähigkeit erreicht wird. Qualitätszellen, wie die von Sanyo und Panasonic, erreichen bereits nach 5 bis 7 Intervallen ihre spezifizierte Kapazität. Anfangs mag die Kapazität noch schwanken; aber ist der Akku einmal zubereitet, bleibt die Kapazität konstant und erreicht nach 100 bis 300 Intervallen ihren Spitzenwert.

Die meisten wiederaufladbaren Akkus besitzen ein Sicherheitsventil, über welches bei Überladung Druck entweichen kann. Bei NiCd-Zellen öffnet dieses Sicherheitsventil zwischen 1100 to 1400 kPa (~150 to 200 psi). (Der Druck eines Autoreifens beträgt etwa 240 kPa oder 35 psi.) Vorausgesetzt, dass sich das Ventil bei einem Druckausgleich wieder verschließt, nimmt der Akku keinen Schaden, es geht nur etwas Elektrolyt verloren. Nach einem solchen Vorgang besteht jedoch die Gefahr eines undichten Ventils. Weißes Pulver an der Ventilöffnung weist auf einen erfolgten Druckausgleich oder undichtes Ventil hin.

Kommerziell erhältliche Ladegeräte arbeiten oft nicht im besten Interesse des Akkus. Dies gilt insbesondere bei Ladegeräten, die den Ladezustand des Akkus ausschließlich nach seiner Ladetemperatur bestimmen. Es ist eine billige und einfache Technik, die Abschaltung nach Temperatur ist jedoch ungenau.

Bessere NiCd-Lader messen die Steilheit des Temperaturanstiegs (dT/dt) während des Ladevorganges, was zu einer behutsameren Ladung des Akkus führt, als das beim Abschalten des Ladestroms bei Erreichen einer festen Temperatur der Fall ist. Ein Erwärmen der Zellen ist aber notwendig, weil der Temperaturverlauf gemessen werden muß.

Ein präziseres Erfassen des Ladezustandes wird durch einen Mikroregler erreicht, der die Akkuspannung überwacht und bei Erreichen eines bestimmten Spannungsverhaltens die Ladung beendet. Bei voll geladenem Zustand sinkt die Spannung nämlich ab. Dieses Phänomen ist als Negativ Delta V oder NDV bekannt und ist bei NiCd-Akkus, die mit über 0,5 C geladen werden, am deutlichsten zu beobachten. Bei mit NDV arbeitenden Ladegeräten muß zusätzlich die Akkutemperatur beachtet werden, weil der Spannungsabfall bei alten Akkus, und bei Akkus mit unterschiedlichen Zellen, schwächer ist.

Schnelles Laden verbessert den Wirkungsgrad. Bei 1 C beträgt dieser1,1 oder 91 Prozent, und die Ladezeit von ganz leer auf voll liegt bei etwas über einer Stunde. Mit einer Laderate von 0,1 C sinkt der Wirkungsgrad auf 1,4 oder 71 Prozent, und die Ladezeit beträgt 14 Stunden. Bei einem nicht ganz leeren oder kapazitätsschwachen Akku ist die Ladezeit natürlich entsprechend kürzer.

Bis zu einem Ladezustand von 70 Prozent nimmt ein NiCd-Akku nahezu 100 Prozent des angebotenen Ladestromes auf. Mit dem hohen Ladewirkungsgrad treten nur geringe Energieverluste auf und der Akku bleibt somit kalt. Der Ladestrom kann sogar einige C-Raten betragen, ohne daß nennenswerte Erwärmungen auftreten. Superschnelle Lader nutzen dieses Phänomen aus und laden den Akku in wenigen Minuten auf 70 Prozent auf. Dann wird mit einer geringeren Rate weitergeladen, bis zur Vollladung.

Ab einem Ladezustand von 70 Prozent läßt das Stromaufnahmevermögen des Akkus langsam nach, während Temperatur und Druck ansteigen. Um eine etwas höhere Kapazität zu erreichen, erlauben einige Ladegeräte eine kurzzeitige Überladung. Abbildung 1 zeigt den Verlauf von Zellenspannung, Druck und Temperatur bei der Ladung eines NiCd-Akkus.


Abbildung 1:
Ladung einer NiCd-Zelle. Bei NiMH-Zellen verhalten sich Spannung, Druck und Temperatur ähnlich.

Bei einer Laderate von über 1 C erwärmen sich NiCd-Akkus mit Ultra-hoch Kapazität mehr als normale NiCd-Akkus. Einer der Gründe dafür ist der höhere Zelleninnerwiderstand. Um der Erwärmung entgegenzuwirken, laden bessere Ladegeräte am Anfang mit einem hohen Ladestrom und gehen bei höherem Ladezustand auf das Aufnahmevermögen des Akkus ein. So kann die Ladezeit kurz gehalten werden.

Ein Einstreuen von Entladeimpulsen zwischen den Ladeimpulsen verbessert das Aufnahmevermögen von Nickel-Akkus. Diese Methode wird als Reverse-Load bezeichnet. Diese Ladungsart führt zu einer besseren Rekombination der beim Laden erzeugten Gase, weil die auf den Elektroden zur Verfügunstehende Oberfläche vergrößert wird. Die Ergebnisse sind bessere Leistung, verminderte Kristallbildung (Memory) und eine längere Lebensdauer.

Nach dem anfänglichen Schnellladen schließen einige Ladegeräte mit einer zeitbegrenzten Auffüllladung den Ladezyklus ab. Danach folgt die übliche Erhaltungsladung zum Ausgleich der Selbstentladung. Bei NiCd-Akkus wird eine Erhaltungsladung von 0,05 C bis 0,1 C empfohlen. Um Kristallbildung zu vermeiden und das gleiche Gerät auch für NiMH-Akkus benutzen zu können, ist der Erhaltungsladestrom moderner Lader oft geringer.

 

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