Hochleistungs-Lithiumion
Eine neue Ebene im Mobilsektor
Isidor Buchmann
Cadex Electronics Inc.
isidor.buchmann@cadex.com
www.buchmann.ca
März 2006
Noch
bis vor kurzem waren Anwendungen, die starke Ströme benötigen,
auf Nickel-Kadmium- und Nickelmetallhydrid-Akkus angewiesen.
Zu diesen Anwendungen gehören Elektrowerkzeuge und medizinische
Geräte. In den vergangenen Jahren hat sich im Bereich
lithiumbasierter Akkus viel getan, und heute gelten die litiumion-
gegenüber den nickelbasierten Akkus in Bezug auf Belastungsfähigkeit
als gleichwertig oder besser. Von diesen neuartigen Akkus
wird erwartet, dass sie auf akkubetriebene elektrische Produkte
einen ähnlich großen Einfluss nehmen werden, wie
es Lithiumion in den 1990ern auf die Verbraucherelektronik
hatte..
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Die meisten in mobilen Applikationen
zur Anwendung kommenden Lithiumion-Akkus funktionieren
auf Kobaltbasis. Durch hohe Produktionsvolumina können
die Akkus relativ billig hergestellt werden. Ihre positive
Elektrode (Kathode) besteht aus Kobaltoxid, die negative
Elektrode (Anode) aus Graphitkohlenstoff. Einer der Hauptvorteile
des kobaltbasierten Akkus ist seine hohe Energiedichte.
Dies macht diese Chemie attraktiv für Handys, Laptops
und Kameras. |
Trotz ihrer großen Beliebtheit haben kobaltbasierte
Lithiumion-Akkus ihre Grenzen. Sie sind nicht sehr robust
und können keine hohen Lade- und Entladeströme vertragen.
Bei einer Schellladung des Akkus oder einem Laden des Akkus
mit überschüssigem Entladestrom würde das Akkupack
überhitzen und könnte beschädigt werden. Normalerweise
beschränkt der Sicherheitsschaltkreis eines Kobalt-Akkus
die Landungs- und Entladestromstärke auf einen C-Wert
von etwa 1. Das bedeutet, dass eine 18650-Zelle von 2400 mAh
nur mit höchstens 2,4 A geladen und entladen werden kann.
Ein weiterer Nachteil des Kobalttyps ist der Anstieg des Innenwiderstands
mit der Anzahl der Zyklen und mit dem Alter des Akkus. Schon
nach 2-3 Jahren ist der Akku oft nicht mehr zu benutzen, weil
die Spannung wegen des hohen Innenwiderstands unter Last zu
stark abfällt. Dieser Zustand ist irreparabel.
Ein neuer Kathodenwerkstoff öffnete die Tür zu einer
höheren Belastungsfähigkeit. (Nebenbei senkt der
Ausschluss von Kobalt die Herstellungskosten.) 1996 konnten
Wissenschaftler Lithiummanganoxid erfolgreich als Kathodenwerkstoff
verwenden. Dieses Material bildet eine dreidimensionale Spinellstruktur,
die einen günstigen Einfluss auf den Ionenfluss auf der
der Elektrode hat. Ein besserer Ionenfluss bewirkt einen geringeren
Innenwiderstand und damit eine höhere Belastungsfähigkeit.
Gegenüber kobaltbasiertem Lithiumion bleibt der Widerstand
auch mit der Anzahl der Zyklen und mit dem Alter des Akkus
niedrig. Trotzdem altert der Akku, und seine Lebenszeit unterscheidet
sich kaum von der des Kobalttyps. Ein weiterer Vorteil des
Spinell ist die seine hohe Stabilität. Gegenüber
dem Kobaltsystem werden beim Spinellsystem geringere Ansprüche
an den Sicherheitsschaltkreis gestellt.
Der Schlüssel zu großer Belastungsfähigkeit
ist ein geringer Zelleninnenwiderstand. Diese Eigenschaft
ist sowohl für das Schnellladen als auch für Entladung
mit höher Stromstärke von Vorteil. So kann zum Beispiel
ein spinellbasierter Lithiumion-Akku in einem 18650-Paket
mit 20-30 A entladen werden, ohne dass die Zelle zu warm wird.
Weiterhin sind Belastungsimpulse von einer Sekunde Länge
mit der doppelten Stromstärke zulässig. Bei kontinuierlich
hoher Belastung würde die Zelle ständig wärmer
werden; die Zellentemperatur darf jedoch 80 °C nicht übersteigen.
Neben Elektrowerkzeugen und medizinischen Instrumenten ist
der spinellbasierte Lithiumion-Akku auch ein Kandidat für
Hybridfahrzeuge. Die Herstellungskosten müssen jedoch
gesenkt und die Lebensdauer erhöht werden, bevor dieser
Akkutyp für den Antrieb von Automobilen in Betracht kommt.
Der Spinellakku kann durchaus mit Vorteilen aufwarten. Einer
der schwerwiegendsten Nachteile ist die gegenüber den
Kobaltakkus niedrigere Kapazität. Spinell stellt in einem
18650-Paket rund 1200 mAh zur Verfügung, also etwa die
Hälfte eines Kobalt-Äquivalents. Spinell bietet
jedoch eine Energiedichte, die etwa 50% höher ist, als
die des Nickel-Äquivalents.
Die verschiedenen Lithiumion-Akkus
Die Lithiumion-Technik ist noch nicht voll ausgereift und
wird ständig verbessert. In den heutigen Zellen besteht
der Anodenwerkstoff aus einer Graphitmischung, die Kathode
aus einer Kombination von Lithium und anderen Metallen. Sämtliche
Werkstoffe eines Akkus haben eine theoretische Energiedichte.
Die Anode ist mit Lithiumion voll optimiert und der Spielraum
für konstruktive Verbesserungen ist gering. Bei der Kathode
sind die Aussichten jedoch wesentlich vielversprechender.
Darum konzentriert sich die Akkuforschung auf den Kathodenwerkstoff.
Ein weiterer Bestandteil mit Potential ist der Elektrolyt.
Der Elektrolyt ist das Reaktionsmedium zwischen Anode und
Kathode.
Die Akkuindustrie erzielt jährliche Kapazitätserhöhungen
von 8-10%. Dies wird voraussichtlich so bleiben. Das steht
in krassem Gegensatz zum Mooreschen Gesetz, demgemäss
sich die Transistoranzahl auf einem Chip alle 18 bis 24 Monate
verdoppelt. Würde man das Gesetz auf Akkus anwenden,
würde sich ihre Kapazität alle zwei Jahre verdoppeln.
Statt dessen dauerte die Verdoppelung der Energiekapazität
von Lithiumion-Akkus ganze 10 Jahre.
Es gibt heute die verschiedensten Lithiumion-Akkus, wobei
die Unterschiede hauptsächlich beim Kathodenwerkstoff
zu finden sind. Tabelle1 fasst die im heutigen Markt am häufigsten
angebotenen Lithiumion-Akkutypen zusammen. Der Einfachheit
halber ist die Chemie in vier Gruppen zusammengefasst: Kobalt,
Mangan, NKM und Phosphat.
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| Tabelle 1: Am häufigsten angebotene Typen von Lithiumion-Akkus
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Der kobaltbasierte Lithiumion-Akku wurde erstmals 1991 von
Sony vorgestellt. Wegen ihrer hohen Energiedichte setzte sich
diese Akkuchemie sehr rasch durch. Der spinellbasierte Lithiumion-Akku
hatte einen langsameren Start, wahrscheinlich wegen seiner
niedrigeren Energiedichte. Bei seiner Einführung in Jahre
1996 verlangte die Welt vor allem längere Laufzeiten.
Da viele mobile Geräte hohe Stromstärken erfordern,
steht Spinell heute ganz vorn und erfreut sich einer starken
Nachfrage. Diese ist sogar so groß geworden, dass die
Hersteller dieser Akkus ihr nicht nachkommen können.
Darum gibt es so wenig Werbung für dieses Produkt. E-One
Moli Energy (Kanada) ist ein führender Hersteller von
spinellbasierten Lithiumion-Akkus zylindrischer Form. Die
Firma hat sich auf die Zellenformate 18650 und 26700 spezialisiert.
Weitere größere Hersteller von spinellbasierten
Lithiumion-Akkus sind Sanyo, Panasonic und Sony.
Sony konzentriert sich auf die Ausführung mit Nickel,
Kobalt und Mangan. Nickel, Kobalt und Mangan bilden als Mehrmetalloxid
die kristalline Struktur der Kathode, wozu Lithium hinzukommt.
Innerhalb dieses Akkutyps bieten die Hersteller eine breite
Produktpalette mit hoher Energiedichte oder mit hoher Belastungsfähigkeit
an. Diese zwei Eigenschaften können nicht ohne weiteres
in einem Akku vereinigt werden, sondern es muss immer ein
Kompromiss eingegangen werden. NKM lässt sich auf 4,10
V/Zelle laden, 100 mV weniger als Kobalt und Spinell. Eine
Erhöhung der Akkuchemie auf 4,20 V/Zelle würde zwar
zu einer höheren Kapazität, aber gleichzeitig zu
einer Verkürzung der Zykluslebenszeit führen. Statt
der normalen 800 Zyklen, die in einem Laborumfeld erreicht
werden, würde die Zyklusanzahl auf etwa 300 abfallen.
Das neueste Mitglied der Lithiumion-Familie ist das A123-System,
bei dem Nanophosphat zur Kathode hinzugefügt wird. Obwohl
der Hersteller das verwendete Metall noch geheim hält,
wird allgemein angenommen, dass es sich um Eisen handelt.
Der Hersteller gibt an, dass dieser Typ unter allen kommerziell
erhältlichen Lithiumion-Akkus die höchste Energiedichte
aufweist. Die Zelle kann mit 35 C kontinuierlich auf 100%
Tiefentladung entladen werden und verträgt Entladeimpulse
von bis zu 100 C. Der phosphatbasierte Akku hat eine Nennspannung
von etwa 3,25 V/Zelle. Die Landegrenze ist 3,60 V. Diese ist
wesentlich geringer als die 4,20 V/Zelle des kobaltbasierten
Lithiumion-Akkus. Wegen dieser niedrigen Spannungen benötigt
das A123-System eine spezielles Ladegerät. Für diesen
Akkutyp ist eine große Nachfrage zu erwarten, was Versorgungsengpässe
nach sich ziehen wird. Die 2001 gegründete Firma A123
Systems ist im Privatbesitz u.a. von Motorola, Qualcomm und
MIT.
Ein Durcheinander der Spannungen
In den vergangenen 10 Jahren oder so betrug die Nennspannung
einer Lithiumion-Zelle 3,60 V. Ein passender Wert, denn er
entspricht der Nennspannung von drei Nickelzellen (1,2 V).
Die höhere Zellenspannung von Lithiumion bringt einen
auf dem Papier gut aussehenden Wh-Wert und damit einen Marketingvorteil
mit sich; die Gerätehersteller sehen die Zelle jedoch
weiterhin als 3,60-V-Zelle an.
Die Nennspannung eines Lithiumion-Akkus wird festgestellt,
indem man einen mit etwa 4,20 V voll geladenen Akku mit 0,5
C auf 3,00 V entlädt und dabei die durchschnittliche
Spannung misst. Wegen des niedrigeren Innenwiderstands fällt
die Durchschnittspannung eines Spinell-Akkus höher aus
als die eines Kobalt-Äquivalents. Reines Spinell hat
den niedrigsten Innenwiderstand und eine Nennspannung von
3,80 V/Zelle. Die Ausnahme ist wieder der phosphatbasierte
Lithiumion-Akku. Dieser Typ weicht am stärksten vom herkömmlichen
Lithiumion-Typ ab.
Längere Akkulebenszeit durch schonenden Betrieb
Akkus leben länger, wenn sie schonend behandelt werden.
Hohe Ladespannungen, hohe Ladeströme und extreme Ladebedingungen
haben einen negativen Einfluss und verkürzen die Lebensdauer
des Akkus. Dies gilt auch für Lithiumion-Akkus mit hoher
Belastungsfähigkeit. Die Langlebigkeit ist oft das direkte
Ergebnis der Betriebsbedingungen. Im Folgenden einige Empfehlungen,
wie die Lebensdauer eines Akkus verlängert werden kann:
- Die
Zeitspanne, in der der Akku sich im Zustand 4,20 V/Zelle
befindet, sollte so kürz wie möglich gehalten
werden. Besonders bei hohen Temperaturen kommt es im Zustand
hoher Spannung zu Korrosionen. Spinell ist gegenüber
hohen Spannungen weniger empfindlich.
- Die
günstigste obere Spannung beim kobaltbasierten Lithiumion-Akku
ist 3,92 V/Zelle. Es hat sich gezeigt, dass eine Beschränkung
beim Laden des Akkus auf diese Spannung die Zykluslebenszeit
verdoppelt. Bei Lithiumion-Akkus in Verteidigungsanwendungen
wird dies genutzt. Der Nachteil ist eine niedrigere Kapazität.
- Auch
der Ladestrom bei Li-ion sollte nicht zu hoch sein (0, 5
C bei kobaltbasierten Lithiumion-Akkus). Der niedrigere
Ladestrom reduziert die Zeitspanne, in der die Zelle eine
Spannung von 4,20 V hat. Es sollte darauf hingewiesen werden,
dass eine Ladung mit 0,5 C die Ladezeit nur geringfügig
verlängert, da die Auffüllladung kürzer ausfällt.
Ein hoher Ladestrom führt zu einem raschen Anstieg
der Spannung, sodass die Spannungsgrenze vorschnell erreicht
wird.
- Eine Entladungstiefe von nicht mehr als 80% belastet den
Akku weniger als eine völlige, 100%ige Entladung. Es
ist besser, Lithiumion-Akkus öfter zu laden, als sie
zu stark zu entladen. Über den Memory-Effekt muss man
sich, wie auch beim Nickel-Kadmium-Akku, keine Sorgen machen..
Hinweis:
Beim Schnellladen und Auffüllladen gleicht das Ladeverhalten
von Lithiumion dem von Bleisäure. In diesem Fall muss die
bei der Normalladung zur Anwendung kommende Grenzspannung von
2,35 V/Zelle auf 2,27 V/Zelle abgesenkt werden, wenn der VRLA-Akku
nur in Bereitschaft betrieben wird. Ein längeres Verharren
im höheren Spannungszustand würde zu Korrosionen führen.
Das gleiche gilt für Lithiumion-Akkus.
Diese haben bei einem geringeren Ladestrom nicht nur eine längere
Lebensdauer, auch die Abnutzung ist geringer. Abbildung 1 zeigt
die Zykluslebenszeit als Funktion der Lade- und Entladestromstärke.
Auffällig ist die gute Leistung im Labortest, wenn der
Akku mit 1 C geladen und entladen wird. (Bei einer Ladung und
Entladung mit 0, 5 C würde die Kurve noch besser ausfallen.)
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Abbildung 1: Langlebigkeit eines Lithiumion-Akkus
als Funktion von Lade- und Entladestromstärke. Eine
schonende Ladung und Entladung belastet den Akku weniger
und führt zu einer längeren Zykluslebenszeit. |
Experten sind sich einig, dass die Lebensdauer eines Lithiumion-Akkus
nicht nur von der Lade- und Entladestromstärke bestimmt
wird. Lebensdauerverkürzend ist auch, wenn bei voll geladenem
Akku eine hohe Temperatur vorherrscht. Zwar können wir
die Lebensdauer unseres Akkus durch schonende Behandlung verlängern,
die Umstände und Betriebsbedingungen erlauben es uns
aber oft nicht, das Optimum zu erreichen. Insofern gilt für
Akkus das gleiche wie für den Menschen: Wir können
nicht immer das Leben leben, das einer maximalen Lebensspanne
förderlich ist.
Über den Autor
Isidor Buchmann ist Gründer und Geschäftsführer
der in Vancouver / BC ansässigen Cadex Electronics Inc.
Herr Buchmann ist in der Radiokommunikation zu Hause und hat
das Verhalten von wiederaufladbaren Akkus über zwei Jahrzehnte
hinweg anhand praktischer Anwendungen studiert. Als preisgekrönter
Autor vieler Bücher und Artikel über die Wartung von
Akkus hat Herr Buchmann auf Seminaren und Konferenzen auf der
ganzen Welt technische Vorträge gehalten.
Cadex Electronics ist Hersteller von modernen Akkuladern und
Akku-Analysegeräten
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